Veröffentlicht in Persönliches

Unsterblich?

Im Teenager-Alter dachte ich viel (eigentlich viel zu viel!) über die Menschheit, das Leben, das Universum und den Sinn von alledem nach. Und noch früher, als Kind, fühlte ich mich gar unsterblich. Die kleine Rosa war überzeugt, dass sie immer in dieser Welt existieren wird. Es war ein eigenartiges Gefühl, viel mehr schon ein unerschütterbares Wissen, das für mich genauso selbstverständlich wie das Atmen war.*
Wenn ich mit meinen Eltern zu Beerdigungen ging (was im Dorf, in dem jeder jeden kannte, vergleichsweise oft vorkam) und die Verstorbenen in den Särgen mit etwas Unmut, aber neugierig beäugte, war mir selbst klar: jung oder alt – ich werde nie tot in so einer Kiste landen. Allein der Gedanke daran kam mir absurd vor. Die anderen … ja, die waren wohl sterblich – das konnte ich nun nicht abstreiten. Aber ich … ich nicht. Ich bin etwas ganz besonderes, dachte ich. Ich werde immer Leben – das stand fest. Felsenfest. Die Ewigkeit machte mir damals keine Angst – ich hatte ja noch einiges zu tun auf dieser Welt.

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Veröffentlicht in Autobiografie, Literatur, Persönliches

„In der sibirischen Kälte“ – Buchausschnitt

Mamas Leichnam wurde zu Hause aufgebahrt, wie das so üblich war, und mit Eisbrocken umlegt. (Für diese Fälle und andere Notwendigkeiten gab es im Dorf einen Eisberg, im Winter hergestellt und im Sommer sorgfältig mit einem dicken Strohmantel bedeckt). Es war ebenso üblich, dass die Trauerfeier frühestens am dritten Tag nach dem Tod stattfand. Da es weder eine Kapelle noch eine Leichenhalle gab, mussten die Angehörigen bis dahin quasi mit dem Aufgebahrten unter einem Dach leben. Nachts überkam mich die Angst, und meine beste Freundin Frida gab mir Unterstützung, indem sie bei mir schlief. Tagsüber war ich meist abgelenkt, denn es gab viel zu tun. Menschen kamen und gingen – Familienmitglieder und Verwandte hielten abwechselnd die Totenwache.

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